ATURIS.Basic-Template 2 fluid

Hämorrhoiden werden nicht mehr weggeschnitten

Nordhausen. Im Nordhäuser Grimmelhof sitzen inzwischen mehr als ein Dutzend Ärzte. Die Poliklinik ist quasi heimlich zurückgekehrt. Einer davon hat ein sehr spezielles Fachgebiet: Steffen Weise ist Proktologe. Der Chirurg hat sich seit seinem Studium in Leipzig mit Darm- und Po-Erkrankungen intensiv befasst. Vor einiger Zeit übernahm er die Praxis Dr. Norbert Henning in dem schicken Fachwerkhaus an der Grimmelallee. Hier operiert und behandelt er.

"Viel mehr Menschen, als man denkt, haben im unteren Bereich Beschwerden", sagt er. Nur redet niemand gern darüber. Viele scheuen auch lange den Weg zum Arzt, bis es gar nicht mehr geht. Genau das verschärfe aber die Probleme, so der 47-jährige Mediziner.

Ein gutes Beispiel sind die Hämorrhoiden. Je länger man wartet, desto aufwändiger wird die Behandlung. Generell hat sich der Umgang mit vielen Krankheiten in den vergangenen Jahrzehnten sehr verändert. Hämorrhoiden beispielsweise schnitt man früher weg, heute werden sie quasi repariert oder mit Lasern verödet.

Schnelle Diagnosen auf diesem Gebiet selten

Generell gilt in diesem Fachbereich: Schnelle Diagnosen oder Behandlungen gibt es kaum. Ob bei Verstopfungen oder Inkontinenz – die laut Weise in den meisten Fällen gar keine echte Inkontinenz ist – es braucht seine Zeit, den Patienten zu heilen oder ihm den Umgang mit der Krankheit zu erleichtern. "Bei jedem Patienten untersuchen wir den Enddarm mit einer Rektoskopie und führen eine Druckmessung der Schließmuskulatur durch", erklärt Weise den Weg. Relativ leicht lässt sich auch feststellen, wie schnell der Dickdarm arbeitet. Kleine Körper werden eingenommen und schieben sich dann durch den rund 1,50 Meter langen Schlauch. Wie schnell sie wieder ausgeschieden werden, verrät, wie gut der Darm arbeitet. Je nachdem, kann der Mediziner die Behandlung beginnen. Teilweise erfordern Erkrankungen im Unterleib größere Operationen. Aber auch Schilddrüsenleiden, Leistenbrüche oder Gallenbeschwerden nimmt der Mann sich an. Zum Teil in der eigenen Praxis. Immer montags wird operiert, mit zwei OP-Schwestern und einem externen Narkosearzt, Torsten Müller. Donnerstags können kleinere Fälle erledigt werden. Auch im Mühlhäuser Hufelandklinikum ist der Mediziner noch zu einem Teil angestellt, um dort seine fachliche Ausbildung einzubringen.

Zehn Jahre arbeitete Weise nach seinem Studium am Südharz-Klinikum, wechselte dann in den Unstrut-Hainich-Kreis, war zehn Jahre lang Oberarzt dort. Als sich vor eineinhalb Jahren die Chance ergab, in die Praxis im Grimmelhof einzusteigen, griff er zu. "Auch wenn ich heute in Woffleben wohne, bin ich doch gebürtiger Nordhäuser, aufgewachsen in der Bochumer Straße. Zugleich aber möchte ich die Arbeit in einer Klinik nicht missen und nicht aufgeben. Deshalb bleibe ich Mühlhausen treu."

Noch viel Aufklärungsarbeit nötig

Seitdem der Proktologe im Grimmelhof praktiziert, rennen sie ihm die Türen ein, wenngleich es noch andere Mediziner im Landkreis gibt, die sich der Beschwerden im Unterleib annehmen, ein Gastroentereologe etwa. Auch im Südharz-Klinikum gibt es Spezialisten. Aber der Bedarf ist groß. Überweisungen und Mundpropaganda füllen die Praxis, in der vier Sprechstundenhilfen gut zu tun haben.

Weise ist überzeugt, gerade im Bereich von Darm und Po gibt es eine Menge Aufklärungsbedarf und müssen viele Tabus noch immer abgebaut werden. Seinen Vorteil sieht er darin, dass Diagnostik, Therapie und Nachsorge in einer Hand liegen.

Quelle: Thüringer Allgemeine, Thomas Müller